Kölner und Aachener Regierungspräsidenten
Seit Entstehung der „königlichen Regierungen“ im Jahr 1816 - den Vorgängern der heutigen Bezirksregierungen - gab es in Köln 31 Regierungspräsidenten.
Dr. Robert Becker, Abteilungsdirektor a.D., hat eine historische Einordnung der drei Kölner Regierungspräsidenten während der Zeit des Nationalsozialismus erarbeitet. Das Ergebnis ist eine umfassende Dokumentation der Amtszeit von Dr. Rudolf zur Bonsen, Rudolf Diels und Eggert Reeder.
Im Jahr 1972 ging der gesamte Regierungsbezirk Aachen im Regierungsbezirk Köln auf. Bis zu der Auflösung standen der Bezirksregierung Aachen 20 Regierungspräsidenten vor.
Rudolf zur Bonsen
1933 – 1934
geboren am 28.10.1886
in Fredeburg (Sauerland);
gestorben am 18.10.1952
in Grainau (Oberbayern).
Jurastudium und Promotion,
1914 Zweite Staatsprüfung. Reserveoffizier; nach schwerer Verwundung ab 1914 in der Zivilverwaltung im besetzten Belgien tätig. 1919 Eintritt in die preußische Verwaltung beim Oberpräsidenten in Königsberg, kurz darauf zur Regierung Köln versetzt; dort mit unterschiedlichen Aufgaben betraut. Seit Mai 1932 Mitglied der NSDAP, auch in der NS-Gauleitung tätig. 22.2.1933 Ernennung zum Regierungsvizepräsidenten, 15.6.1933 zum Regierungspräsidenten. Fachlich anerkannt, überzeugter Nationalsozialist, aber auch praktizierender Katholik. Wollte als Behördenleiter beweisen, dass beides miteinander vereinbar sei. Aktiv in der von Vizekanzler Papen geleiteten „Arbeitsgemeinschaft Katholischer Deutscher“. 20.4.1934 aus Protest „gegen die antikirchliche Politik“ der NSDAP auf eigenen Antrag Versetzung in den einstweiligen Ruhestand. Nach kurzzeitigen Verwendungen als Regierungspräsident in Stettin und Präsident der Preußischen Bau- und Finanzdirektion ab 1936 nicht mehr im aktiven Dienst, schwer erkrankt. 31.12.1940 endgültige Zurruhesetzung.
Rudolf Diels
1934 – 1936
geboren am 16.12.1900
in Berghausen (Taunus);
gestorben am 16.11.1957
in Katzenelnbogen.
1918 Kriegsfreiwilliger, Jurastudium und Zweite Staatsprüfung. Ab 1924 in der preußischen Verwaltung, erst in Landratsämtern. 1931 Polizeiabteilung des Innenministeriums. Gab
Informationen weiter, die zur staatsstreichartigen Absetzung der preußischen Regierung am 20.7.1932 beitrugen. Nach dem
30.1.1933 Vertrauter des preußischen Innenministers Göring, Leitung der politischen Polizei. 1.5.1933 erster Leiter des preußischen Geheimen Staatspolizeiamts. Das zunächst noch einem „autoritären Normenstaat“ verpflichtete Amt machte er zu einem effizienten Instrument politischer Verfolgung. Er wandte sich gegen „wilden Terror“ der SA und trotz Ehrenrang gegen Vordringen der SS. Nach Machtkampf innerhalb der NS-Führung berief Göring am 20.4.1934 Himmler zum Leiter des Geheimen Staatspolizeiamts. Diels wurde Regierungspräsident in Köln. 27.6. Amtseinführung durch Göring, der ihn vor der Liquidie-
rung beim „Röhm-Putsch“ bewahrt haben soll. 9.7.1936 Versetzung nach Hannover. 1937 NSDAP-Mitglied. 1941 zur Disposition, 1942 Generaldirektor der Reichswerke Salzgitter. 1944 Gestapohaft. 1945 interniert; Zeuge beim Nürnberger Prozess.
Eggert Reeder
1936 – 1945
geboren am 22.07.1894
in Poppenbüll (Schleswig); gestorben am 22.11.1959
in Wuppertal.
Im Ersten Weltkrieg Reserveoffizier, dreimal verwundet. Nach Zweiter Staatsprüfung 1924 Eintritt in die preußische Verwaltung, Tätigkeit bei derRegierung Köln. Ab August
1932 Verwaltung von Landratsämtern. 1.5.1933 NSDAP-
Mitglied. 5.5.1933 Landrat in Flensburg. 16.5.1933 Beauftra-
gung als Regierungspräsident in Aachen, 20.7. Ernennung. 9.7.1936 Versetzung nach Köln. 1.7.1938 SS-Mitglied. 1.9.1939 – Mai 1940 kommissarisch Regierungspräsident auch in Düsseldorf. Anerkannter Verwaltungsfachmann. Ab Mai 1940 Verwaltungschef beim Militärbefehlshaber für Belgien und Nordfrankreich; Kompetenzkonflikt mit Himmler. Zunehmende Härte der Besatzung. Als Verwaltungschef an der Verfolgung der Juden in Belgien beteiligt; die Mehrzahl wurde deportiert und ermordet. Juli 1944 Vertretung des Reichskommissars in Brüssel; ab 1.9.1944 wieder als Regierungspräsident tätig. 1945 Kriegsgefangenschaft und Haft. 9.3.1951 in Brüssel von einem Kriegsgericht wegen Geiselerschießungen und Beteiligung an der Deportation von 25.347 Juden zu 12 Jahren Zwangsarbeit verurteilt; dann abgeschoben. Auf eigenen Antrag Juli 1951 Ruhestand.
Letzte Änderung(en): 08.06.2011 16:49 Uhr | Erstellt am: 06.06.2011 16:06 Uhr